Projektnachrichten

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Jeden Tag fährt das Erbe von Anton Franz durch die Frechener Hauptstraße: 1891 hatte der Gemeinderat auf die eindringliche Fürsprache seines Bürgermeisters hin den Bau einer Dampfbahn von Frechen nach Köln beschlossen. Am 13. November 1893 fuhr der erste Zug. Aber auch zahlreiche andere Verbesserungen hat Frechen Anton Franz, der sein Amt von 1866 bis 1895 ausübte, zu verdanken, zum Beispiel die elektrische Straßenbeleuchtung oder moderne Sicherheitsvorschriften im Grubenbetrieb.

Geboren wurde Anton Franz 1827; von 1854 bis 1866 war er zunächst Bürgermeister von Freimersdorf, bevor er ab 1866 fast drei Jahrzehnte lang die Geschicke der aufstrebenden Industriegemeinde Frechen bestimmte, wo er 1897, hoch verehrt und dekoriert mit dem „Roten Adler-Orden“, starb.

Kein Wunder also, dass die Gemeinde Frechen ihm ein Ehrengrab auf dem heute alten Teil des Friedhofs von St. Audomar errichtete. Mit den Jahren gerieten aber sowohl der Bürgermeister Franz wie auch sein Grab zunehmend in Vergessenheit, obwohl sein Name mit der Franzstraße in der Innenstadt dauerhaft präsent blieb.

2010 „entdeckte“ Hans Lintzen, Mitglied des Frechener Geschichtsvereins und ehrenamtlicher Denkmalpfleger am Töpferofen Broichgasse, das Grab von Anton Franz und fand: hier muss etwas getan werden. Kurzerhand nahm er Schaufel und Gartengerät, Eimer und Schwamm und machte sich daran, das vergessene Ehrengrab wieder herzurichten. So hält er es beispielsweise frei von Unkraut, hat ein kleines Beet angelegt und die Laterne ersetzt. Seit fünf Jahren kümmert sich Lintzen nun schon um die Ruhestätte von Anton Franz und bekommt dafür viel Lob; auch die Stadtverwaltung würdigt das Engagement von Hans Lintzen und des Frechener Geschichtsvereins, der die Kosten für die Grabgestaltung neben der jährlichen städtischen Dauerpflege übernommen hat. Auf Anregung des Vereins hat die Stadt auch die verwitterte Inschrift erneuert.

Besonders freut Hans Lintzen, dass nun auch andere Grabstätten in der Nachbarschaft des Ehrengrabs von Anton Franz, allesamt verdiente Frechener Bürger, besser gepflegt werden. Damit wird nicht nur der historisch bedeutsame Teil des Audomarer Friedhofs aufgewertet, sondern auch ein wichtiger Teil der städtischen Erinnerungskultur gepflegt und bewahrt. „Der Geschichtsverein setzt sich für den Erhalt historischer Denkmäler ein, auch derer, die vermeintlich in der zweiten Reihe stehen, aber trotzdem sehr viel erzählen können.“, sagt der Vereinsvorsitzende Dr. Franz-Joseph Kiegelmann. So hat der Verein sich neben dem Ehrengrab von Anton Franz und dem Bodendenkmal Töpferöfen in der Broichgasse unter anderem auch für die Neuerrichtung des Gedenkkreuzes für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs auf dem Alten Friedhof Buschbell erfolgreich eingesetzt. „Derzeit arbeiten wir an einer Dokumentation der Wegekreuze auf dem Frechener Stadtgebiet. Das soll der Auftakt sein zu einer Reihe, in der wir auch andere Orte des Erinnerns vorstellen.“, so Kiegelmann.

  • Anton Franz
  • Hans Lintzen Grabpflege 1
  • Hans Lintzen Grabpflege 2
  • Zustand 2010
  • Zustand 2015

042 Am Mittwoch, 16. Oktober 2013, 15.30 Uhr, wird vor dem Haus Breite Straße 18 ein letzter Stolperstein für Josef Lippmann verlegt. Bereits im Rahmen der Verlegung in den Jahren 2010 und 2011 hatte der Geschichtsverein hier drei Steine für weitere Angehörige der Familie Lippmann durch den Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig verlegen lassen. Durch eine Anfrage von Nachkommen, die heute in Israel leben, stieß der Geschichtsverein auf das Schicksal von Josef Lippmann, der 1899 in Frechen geboren wurde und 1940 bei einem Arbeitseinsatz in der Nähe von Rodenkirchen zu Tode kam. Deshalb fehlt sein Name auch in den Listen der deportierten und ermordeten Juden. Da er gleichwohl zum Opfer des Nationalsozialismus wurde, hat sich der Geschichtsverein zur Verlegung dieses letzten Stolpersteins in Frechen entschieden. An der Verlegung werden auch Familienmitglieder, die eigens aus Israel anreisen, teilnehmen.

028Im neuen Rheinischen Mühlen-Dokumentationszentrum (RDMZ) auf der Gymnicher Mühle ist derzeit die Ausstellung „Die Frechener Bäche – einst und jetzt“ zu sehen. Die Schautafeln wurden von einer Arbeitsgruppe des Frechener Geschichtsvereins e.V. entwickelt und dokumentieren Geschichte und Gegenwart der beiden Frechener Fließgewässer, des Frechener und Bachemer Bachs. Dabei werden vor allem die unterschiedlichen Umweltprobleme im 19. und 20. Jahrhundert thematisiert, denn bereits zur Zeit der Industrialisierung gab es Klagen über die Wasserverschmutzung durch die aufkommende Braunkohlenindustrie.

Seit zwei Jahren beschäftigt sich eine Projektgruppe des Geschichtsverein mit dem Wasser in Frechen. Über eine umfassende Dokumentation des teilweise beklagenswerten Ist-Zustandes hinaus wurden durch intensive Archivrecherchen neue Erkenntnisse über die Bedeutung der Bäche insbesondere für die frühe Frechener Industrielandschaft gewonnen. So führten die Gemeinden Frechen und Bachem etwa einen jahrelangen Rechtsstreit mit der Stadt Köln, die sich gegen die im Mündungsgebiet der Bäche sich ablagernde Schmutzfracht juristisch zur Wehr setzte. Da die Anwohner die Bäche gleichzeitig als Trinkwasserquelle nutzten, gaben auch die hygienischen Verhältnisse immer wieder Anlass zur Sorge. Außerdem kam es im Frühjahr bei der Schneeschmelze oder nach längeren Regenperioden mehrfach zu schweren Überschwemmungen, unter denen nicht nur die Bach-Anrainer zu leiden hatten.

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