"Frechener" Archivalien im Kölner Stadtarchiv

Auch Frechen ist betroffen, vor allem wegen der vielen Gutshöfe - der Clarenhof, der Antoniterhof, der Apostelhof und andere -, die sich über Jahrhunderte hinweg im Besitz Kölner Stifter und Klöster befanden. Deren Archive sind nicht im erzbischöflichen Diözesanarchiv, sondern aufgrund der regen Sammlungstätigkeit des schon seit 1857 bestehenden Kölner Stadtarchivs eben dort zu finden.
Im Bestand mit der Nummer 202 lagerten beispielsweise die Urkunden des Kölner Antoniterklosters. Darunter sind Akten des Frechener Schöffengerichts aus dem Jahr 1497, Proteste der Gemeinde Frechen gegen ihre adligen Grundherren wegen Holzraub im Frechener Wald aus dem Jahr 1545 oder das älteste Gemeinderecht Frechens, das so genannte Weistum, aus dem Jahr 1565 zu finden.
Zahlreiche Urkunden aus dem Bestand Nr. 204 (Apostelstift) erzählen die Geschichte des mittelalterlichen Buschbell, das nach seinem Verwalter, dem Vogt, noch “Vogtsbell” genannt wurde. Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes war hier zu finden, genauso wie zahlreiche andere Verträge und Rechtsvorgänge der alten Ministerialienfamilie von Bell aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.
Unter den Beständen der Klöster sind auch die des Cäcilienstiftes (Nr. 207) und des Makkabäerklosters (Nr. 245) erwähnenswert.

Zahlreiche Verweise auf das Kölner Umland sind auch in den Akten der französischen Verwaltung zu finden, ebenso wie in den älteren Akten des Reichskammergerichts. Von besonderer Bedeutung sind darüber hinaus eine Reihe von nicht-staatlichen Archivalien, die in der Abteilung “Nachlässe und Sammlungen” zu finden waren. Dabei handelt es sich nicht nur um jüngere Abgaben, sondern zum Beispiel um die berühmten “Farragines Gelenianae” (Bestand Nr. 1039), historischen Abhandlungen des Kölner Geschichtsschreibers Ägidius Gelenius aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er beschrieb beispiels-weise aufgrund der für ihn zugänglichen Dokumente die Besitzverhältnisse in den drei alten Frechener Pfarreien Bachem, Buschbell und Frechen selbst sehr genau. Weil einige dieser Dokumente im Laufe der Zeit verloren gingen, stellen die “Farragines” heute selbst eine Primärquelle dar. Von ähnlicher Bedeutung ist der Bestand Nr. 1031, die Sammlung Anton Fahnes, der die Geschichte der rheinischen Adelsgeschlechter, auch die der in Frechen ansässigen wie Palant, Geldern und Fürstenberg, untersucht hat.

So wie Frechen sind auch andere Gemeinden des Rhein-Erft-Kreises betroffen: Hürth beispielsweise als Laufgebiet des Duffesbaches, der unter das Kölner Wasserrecht fiel, oder Erftstadt, dessen Stadtteil Lechenich lange Zeit ein wichtiges Amt im Kurfürstentum Köln war, das immer wieder in den Akten vor allem des Domstift-Archivs (Nr. 210) auftauchte.

Ob und wieviel von diesen “Frechener” Archivalien gerettet werden konnte und kann, ist noch völlig unklar. Die Rettungsmaßnahmen konzentrieren sich völlig auf die Bergung und Erhaltung jeder einzelnen Archivalie, die unter dem Trümmerberg wieder zum Vorschein kommt. Immerhin hat Karl Göbels während seiner Zeit als Stadtarchivleiter in Frechen zahlreiche der Kölner Akten, die Frechen betrafen, eingesehen und in seinem Werk ausgewertet, vor allem im “Wappen von Frechen”. Außerdem hat er Zusammenfassungen und Abschriften wichtiger Dokumente angefertigt. Darüber hinaus sind alle Teile des so genannten “Alten Archivs”, also der Bestände aus der Zeit vor 1815, im Rahmen des Katastrophenschutzes der Bundesrepublik Deutschland auf Silberfilm mikroverfilmt worden. Abzüge davon können als Sicherheitskopien bald wieder verwendet werden. Während die Leiterin des Archivs, Dr. Bettina Schmidt-Czaia, in der Öffentlichkeit zuletzt von einem Zeitraum von sechs bis neun Monaten sprach, bis ein provisorischer Lesesaal mit der Möglichkeit, Mikrofilme zu benutzen, geschaffen sein würde, fordert zum Beispiel der Arbeitskreis der Frühneuzeit-Historiker in Nordrhein-Westfalen eine Lesesaaleröffnung noch im Sommer.

Viel länger allerdings wird die Bergung, Ordnung, Restaurierung und Neu-Erschließung der geborgenen Archivalien andauern. Derzeit verlassen täglich mehrere LKW-Ladungen die Unglücksstelle an der Severinstraße. Teilweise werden die nassen Dokumente direkt zur Gefriertrockung nach Münster verschickt. Durch dieses Verfahren wird das Wasser, das durch Regen oder in der Baugrube in die Archivalien eingedrungen ist, schockgefroren und dann direkt darauf in gasförmigen Zustand, also Dampf, gebracht. Dadurch wird das Papier schonend getrocknet und kann weiter restauriert werden. Ein weiterer Teil des geborgenen Materials geht zur groben Vorsortierung in eine Lagerhalle, wo Schutt und Geröll aussortiert werden. Zusammen mit dem dritten Teil der geborgenen Archivalien, die mehr oder weniger zusammenhängend in Kartons und Kisten gefunden wurden, werden sie ins Erstversorgungs-zentrum nach Köln-Porz gebracht.
Dort werden die Archivalien manuell gereinigt, also mittels Handbesen und Pinseln vom Staub und kleineren Geröllresten befreit. Klamme und feuchte Stücke werden in Folie verpackt und ebenfalls zur Gefriertrocknung geschickt um Schimmelbildung vorzubeugen oder einzudämmen. Mehrere hundert Plastikwannen voll gereinigter Archivalien, die so gut es geht geordnet werden, verlassen dann das “EVZ” in Richtung von Zwischenlagerungs-Archiven im Kölner Umland, wo sie bis zum Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln einlagern.

Informationen zu den Beständen sowie Digitalisate finden Sie im Digitalen Historischen Archiv Köln.


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